Geschönte ADAC Zahlen bringen keine schöneren Ergebnisse

Die höheren Teilnehmerzahlen bei der Wahl des "Gelben Engels" haben weder Aussagekraft noch Legitimation

Berlin, den 26. Januar 2014. Nach dem Skandal um die Teilnehmerzahlen bei der Wahl zur Vergabe des "Gelben Engels" für das Lieblingsauto der Deutschen wurde der Preis in dieser Form wohl zum letzten Mal vergeben. Die Multiplikation der Teilnehmerzahlen brachte jedoch nur scheinbar bessere Ergebnisse. Bei näherem Betrachten zeigt sich: Nicht die Teilnehmerzahlen waren das Problem sondern bereits das Erhebungsverfahren. Wohl auch deshalb will Deutschlands größter Automobilclub in Zukunft nur noch nach seriösen, wissenschaftlichen Kriterien durchgeführten Umfragen verkehrspolitisch Stellung beziehen.

Der ADAC-Preis "Der Gelbe Engel" ist nach dem Skandal um die verfälschten Teilnehmerzahlen in aller Munde. Das genaue Ausmaß der Manipulationen steht noch nicht fest - das vermutliche Ziel hingegen schon: Durch die deutlich erhöhten Zahlen der Teilnehmer sollte dem Ergebnis und damit unmittelbar dem Preis selbst eine höhere Legitimation zukommen. Die Idee dahinter, höhere Zahlen hätten auch eine höhere Aussagekraft, ist jedoch trügerisch.

Die Aussagekraft einer Erhebung, also die Übertragbarkeit ihrer Ergebnisse auf eine festgelegte Grundgesamtheit, generiert eine Erhebung aus der ihr zugrunde liegenden Methodik. Forscher sprechen hier von der Repräsentativität der Umfrage. Die Fallzahl spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, deutlich wichtiger ist, dass die Stichprobe in relevanten Merkmalen, bei Bevölkerungsumfragen zum Beispiel hinsichtlich Geschlecht, Alter und Bildung, dieselbe Struktur wie die Grundgesamtheit aufweist. Hierzu wird entweder die Stichprobe nach dem Zufallsprinzip gezogen - alle Individuen, über die eine Aussage getroffen werden soll, müssen hierbei die gleiche oder wenigstens eine berechenbare Wahrscheinlichkeit haben, in die Stichprobe zu gelangen. Alternativ kann man eine Stichprobe ziehen, bei der Quoten für die relevanten Merkmale vorgegeben werden. Diese müssen der Verteilung in der Grundgesamtheit entsprechen. Eine möglichst große Stichprobe hingegen erhöht lediglich die statistische Sicherheit und reduziert den Zufallsfehler (siehe dazu "Öffnet externen Link in neuem FensterExakt-O-Mat").

Somit wird klar: Eine Erhebung, bei der nur ADAC Mitglieder, die sich selbstständig meldeten, befragt werden, kann kaum belastbare Aussagen über das Lieblingsautomobil der deutschen Bevölkerung treffen. Auch repräsentative Umfragen zu verkehrspolitischen Positionen des ADAC, die ausschließlich unter ADAC Mitglieder durchgeführt werden, können in Zukunft nur Aussagen über die Grundgesamtheit - also die ADAC Mitglieder - treffen, nicht jedoch über die gesamtdeutsche Bevölkerung.
Und zum Lieblingsauto der Deutschen: Der Duden umschreibt "beliebt" mit "häufig angewendet" - übertragen auf Kraftfahrzeuge wäre dies die Kaufentscheidung. Prospektiv für 2014 wäre hier eine repräsentative Umfrage zu anstehenden KFZ-Käufen im laufenden Jahr aussagekräftig - retrospektiv bietet sich ein Blick in die Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes an: Das im Jahr 2013 am häufigsten neu zugelassene KFZ-Modell in Deutschland war mit über 244.000 Einheiten der VW Golf/Jetta, gefolgt vom VW Passat und dem 3er BMW. Der Gewinner des Gelben Engels 2013 für das Lieblingsauto der Deutschen, die Mercedes A-Klasse, schaffte es dabei nur auf Platz 12 der Neuzulassungen 2013.

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